Frauen und Gesundheit mit Dr. Heidi Daniel und Bärbl Mielich
Mammografiescreening: Dr. med. Heidi Daniel
Dr. Heidi Daniel ist Fachärztin für Radiologie und Nuklearmedizin und
Programmverantwortliche Ärztin für das Mammographie-Screening in der Region Rhein-Neckar; Schwerpunkte: Mammadiagnostik, Nuklearmedizin inkl. Radiosynoviorthese, Computertomographie inkl. Schmerztherapie, Magnetresonanztomographie;
Zahlen und Fakten:
In Deutschland gibt es jährlich ca. 55.000 Neuerkrankungen an Mammakarzinom. Es handelt sich um die häufigste Krebserkrankung der Frau, 19.000 Patientinnen sterben jährlich. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 63 Jahren. Ziel des Mammografie-Screenings ist es, das Mammakarzinom bereits im Frühstadium zu erkennen, um so die Behandlungsaussichten zu verbessern und die Sterblichkeitsrate um 25 bis 35 % zu senken. Im Juni 2002 wurde die Einführung des Mammografie-Screenings in Deutschland durch einen parteiübergreifenden Beschluss des Bundestages beschlossen. Im Herbst 2005 startete die erste Screeningeinheit. Bis 2008 soll das Screening in Deutschland flächendeckend durchgesetzt sein.
Ablauf:
Anspruchsberechtigt sind alle Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren. Die Einladung erfolgt über eine zentrale Stelle. In der Mammografieeinheit werden jeweils zwei vorgeschriebene Standardaufnahmen der rechten und der linken Brust durch speziell geschulte Röntgenassistentinnen erstellt. Die Aufnahmen werden durch zwei Ärzte unabhängig voneinander befundet (Doppelbefundung). Bei unauffälligem Befund wird die Klientin und der von ihr benannte Gynäkologe schriftlich über den Normalbefund informiert. Die Klientin erhält zwei Jahre später die nächste Einladung, dies bis zum vollendeten 69. Lebensjahr. Bei Auffälligkeiten oder einer Befunddiskrepanz zwischen beiden Ärzten, wird der Befund unter Hinzuziehung des programmverantwortlichen Arztes (PVA) erneut diskutiert und entschieden, ob die Frau zur Abklärungsdiagnostik einbestellt wird. Dies bedeutet, dass die Klientin ärztlich untersucht wird, dass auf Voraufnahmen zurückgegriffen wird und zusätzliche Aufnahmen oder eine Ultraschalldiagnostik durchgeführt werden. In den meisten Fällen kann der Befund damit abgeklärt werden. In fraglichen oder suspekten Fällen wird der Befund punktiert, um Gewebeproben zu gewinnen. Das Ergebnis der Abklärungsdiagnostik und die Histologie des Biopsiebefundes werden in einer multidisziplinären Konferenz unter Anwesenheit einer GynäkologIn, einer PathologIn, der programmverantwortlichen ÄrztInund ggf. auch der BefunderIn erneut diskutiert und eine weitere Behandlungsstrategie erarbeitet, die mit der Klientin besprochen wird.
Frau Dr. Daniel: Das Mammografiescreening ist für junge Frauen aufgrund der hohen Gewebedichte als Diagnoseinstrument eher ungeeignet, hier ist eine Ultraschalluntersuchung vorzuziehen. Die Tumorverdoppelungsrate ist umso größer, desto jünger die Patientin ist. Das Screening - mit anderen Worten: das Röntgen gesunder Frauen ohne vorherigen Befund - war lange aus ethischen Gründen umstritten. Es darf auch nicht als IGEL-Leistung (Abk. für: Individuelle GEsundheits Leistung) abgerechnet werden und auch das Strahlenschutzgesetz, das vor unnötiger Strahlung schützen soll, hat eine Rolle gespielt. Das Ziel, die Mortalitätsrate um 30% zu senken, kann nur erreicht werden, wenn ca. 70% aller Frauen zum Screening gehen, wenn etwa die Hälfte aller Frauen zum Screening geht, wird sie um 21% gesenkt. Das Screening ermöglicht es, auch kleine Tumoren zu finden. Es gibt aber bei der sehr komplizierten Diagnosestellung und Auswertung immer wieder unterschiedliche Befunde, über die dann in einer "Konsens"-Konferenz von mehreren FachärztInnen diskutiert wird. Frauen mit Brustimplantaten (Silikon) sollten sich einem CTG (Computertomografie) unterziehen - das zahlt allerdings nicht die Kasse und das sollte einem klar sein, bevor man sich ein Implantat aus rein kosmetischen Gründen einsetzen lässt. Insgesamt ist die Qualiät des Screening auf einem sehr hohen Niveau: die Mitarbeiterinnen in den Zentren sind speziell geschult, die Geräte sind auf dem neuesten Stand und sie werden permanent gewartet. Natürlich - und dies ist einer der Hauptkritikpunkte am Screening - besteht die Gefahr der Überdiagnose und Übertherapie. Die Chance, mit einem regelmäßigen Check der Krankheit zu entgehen, sie zumindest zu früh zu erkennen, damit sie nicht tödlich verläuft, ist jedoch da und sollte nach Ansicht von Frau Dr. Daniel ebenso wie die regelmäßige gynäkologische Krebsvorsorge genutzt werden.
Weitergehende Informationen finden sich im Vortrag von Frau Dr. Daniel, hier als pdf-Datei. Wer die PowerPointPräsentation haben möchte, kann sie gerne per Mail unter frauenpolitik@lag.gruene-bw.de anfordern. (etwa 4 +x MB)
Bärbl Mielich
Dipl. Sozialpädagogin und Familienmediatorin in eigener Praxis Gesundheitspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion und Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Arbeit, Soziales, Gesundheit
Gesundheitspolitik in der Landtagsfraktion
Pflege ist aus vielen Gründen ein frauenspezifisches Thema; das Landesheimgesetz, wurde von Baden-Württemberg zwar als einem der ersten Bundesländer angewandt, aber es wurde nicht optimal umgesetzt. Nur 2,2% aller Menschen über 65 können sich vorstellen, dauerhaft in einem Heim untergebracht zu werden. In Bayern wurden Forderungen nach Transparenz und Selbstbestimmung z.B. in Form von Wohngruppen für Menschen mit Demenz besser umgesetzt. Pflegestützpunkte würden sehr gut in ein ganzheitliches und Bedarfsorientiertes Pflegekonzept passen und sind auch ein zentrales Anliegen der Grünen. Wenn sie aber von den Krankenkassen bzw. Pflegekassen finanziert werden, stellt sich die Frage, ob ihre Unabhängigkeit gewahrt bleibt. Die AOK berät beipielsweise nur zu den Leistungen, die sie auch übernimmt. Jeder Pflegestützpunkt erhält über einen Zeitraum von 3 Jahren eine Anschubfinanzierung in Höhe von 50.000 Euro; es werden Kurse angeboten, in denen BetreuerInnen speziell zu AlltagsassistentInnen für an Demenz erkrankte Menschen vorbereitet werden. Diese BetreuerInnen können für Unterstützung im Alltag angefragt werden, die Vergütung erfolgt im Viertelstundentakt; die Sozialstationen überwachen den Professionalisierungsgrad der Alltagsassistenten.
Was das Thema Frauen und Gesundheit angeht bieten sich jedoch weitere Ansatzpunkte für Grüne Initiativen, die Bärbel verfolgen will.
Die Frage nach der HPV-Impfung (Gebärmutterhalskrebsvorsorge) war anscheinend Gegenstand einer Anfrage der CDU mit dem Ergebnis, dass diese Prophylaxe in Afrika, wo weitaus mehr Frauen infiziert sind, mehr Sinn machen würde. Das Problem ist auch, dass der Gesetzentwurf durch den gemeinsamen Bundesausschuss ging, ohne dass das Ergebnis einer (3.) Studie abgewartet worden war. Es wird auch nur gegen 3 Virenstämme geimpft, die nur einen geringen Prozentsatz ausmachen. Auch wird durch die Impfung eine Scheinsicherheit suggeriert. Sie verführt zum ungeschützten Verkehr und setzt junge Frauen damit einem hohen Risiko aus, sich mit Geschlechtskrankheiten oder HIV zu infizieren. Mehr Infos über Bärbl Mielich auf www.baerbl-mielich.de

