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  Landesarbeitsgemeinschaft FrauenPolitik

Drei Frauen – Drei Generationen

Podiumsgespräch zum internationalen Frauentag

Veranstalterin: BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Kreisverband Freiburg


Drei Frauengenerationen im Gespräch mit den Grünen-Politikerinnen Adelheid Hepp (ganz links) und Franziska Brantner (ganz rechts): Renate Gimmi, Brigid Wefelnberg, Muazzez Özbek (von links nach rechts).


Was ist für sie Glück? Wodurch wurden sie geprägt? Und: wie leben sie?

Es waren noch deutlich mehr Fragen und Themen, die sich am Donnerstagabend im Goethe-Institut auftaten im Gespräch von Renate Gimmi, Brigid Wefelnberg und Muazzez Özbek – drei Frauen aus drei Generationen.


Organisiert und moderiert wurde diese Veranstaltung zur Internationalen Frauenwoche von der grünen Stadträtin Adelheid Hepp und der grünen Europa-Abgeordneten Franziska Brantner.


Falls Muazzez Özbek irgendwann in ihrem Leben ein Buch schreiben wird – was ihr Traum ist –, wird es vielleicht den Titel haben: "Ein Drittel". Denn so fühlt sich die in Ankara in einer kurdisch-alevitischen Familie geborene Jura-Studentin, die im Alter von neun Monaten nach Deutschland kam: Ein Drittel Deutsche, Türkin und Kurdin gleichermaßen.

Den Fragen nach ihrer Identität entgeht die Jüngste des Erzähltrios nirgends, sie werden überall ständig Thema. In ihrem Leben will sie "einfach glücklich sein" mit dem, was sie macht – das ist ihr deutlich wichtiger als viel Geld zu verdienen. Keine einfache Lebensgeschichte zwischen mehreren Kulturen, aber einen bequemen Weg ist keine der drei auf dem Podium gegangen. Die Älteste zum Beispiel fing immer wieder neu an: Renate Gimmi, 1931 in Lübeck geboren, hat fünf Kinder groß gezogen, gleichzeitig Medizin studiert und nach ihrer Scheidung nach 27 Jahren Ehe eine Arztpraxis eröffnet. Im Alter erfüllte sie sich dann ihren Kindheitstraum, Schauspielerin zu werden: Vor acht Jahren gründete sie die "Methusalems" am Theater mit und steht mit anderen Älteren auf der Bühne – zuletzt in einer Hauptrolle bei "Arsen und Spitzenhäubchen".


Bei ihr ist die Frage nach ihren Kindheitsprägungen eine heikle: Schließlich war sie die Tochter nationalsozialistischer Eltern, exerzierte als Führerin mit ihren "Jungmädchen" und gelobte Hitler noch bei Kriegsende mit 14 Jahren Treue – bis dann doch Zweifel zu wachsen begannen. Nach jahrzehntelanger Suche nach neuen Grundlagen wurde sie Anthroposophin. Was Brigid Wefelnberg, der durch ihre Wüstentrips bekannt gewordenen Extrem-Marathonläuferin und Mittleren des Frauentrios, Halt gibt, lässt sich in drei Begriffen auf den Punkt bringen: Ihr Sport, ihre zwei Töchter (13 und 17 Jahre alt) und ihr Vollzeitjob bei einer indischen Software-Firma. Wie schafft sie es, alle drei sehr fordernden Bereiche zu vereinbaren? Die Antwort: " Mit 200 Prozent Disziplin und Zeitmanagement", einer Lebensführung, die keine Minute Leerlauf zulässt, keine Zerstreuung in Cafés oder im Kino.

Allein das Zuhören macht sie da schon erschöpft, bekennt eine Zuhörerin und hinterfragt die "starke Leistungsethik" der Sportlerin: "Wie war Ihr Elternhaus?" Das hat die Ex-Amerikanerin Brigid Wefelnberg, die 1984 als junge Frau nach Freiburg kam, schon zuvor beschrieben: Sie war mit ihrer Abenteuerlust "das schwarze Schaf" einer Familie, in der Eltern, Großeltern und Geschwister Karrieren an "Elite-Unis" verfolgten. Nach der Scheidung ihrer Eltern lebte sie mit 15 allein, stets bedacht auf Unabhängigkeit. Das Streben danach ist ohnehin typisch für die drei Frauen, quer durch die Generationen – so unterschiedlich sie sind.  


Autorin: Anja Bochtler,  Badische Zeitung