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  Landesarbeitsgemeinschaft FrauenPolitik

Internationaler Frauentag in Sinsheim

Frauen zusammenzubringen und ein zukunftsweisendes Netz zu knüpfen war das Anliegen bei einem Treffen in Sinsheim. Eingeladen hatten Frauen des Kreisverbandes Odenwald-Kraichgau von Bündnis 90/Die Grünen über Partei- und Ortsgrenzen hinweg.

 

Seit 28 Jahren gibt es in Sinsheim den Bürgerkreis und die dortige Sozialpädagogische Familienhilfe. Dieser Verein, so erklärte Christine Mohler, ist eingebunden in ein Netzwerk zur Hilfe bei sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen zu dem auch der Verein Aufbruch sowie die Psychologische Beratungsstelle des Evangelischen Kirchenbezirks, das Jugendamt, die Schulsozialarbeiterinnen und das Diakonische Werk gehören. Sie alle arbeiten interdisziplinär zusammen, tauschen sich aus und stehen Betroffenen zur Seite. In erster Linie sind das Fachleute, aber auch Außenstehende, die sich mit einem Fall sexueller Gewalt konfrontiert sehen, können dazu stoßen. Immer wieder wird auch versucht, vorbeugend zu arbeiten. Denn das Problem, so Christine Mohler, dürfte riesige Ausmaße haben. Jedes zweite bis vierte Mädchen und jeder vierte bis sechste Junge, so derzeit die Annahme, könnten betroffen sein. „Die Welle ist wahrscheinlich gigantisch“.

 

Das vermutet auch Hilary Greif vom Verein Aufbruch der versucht Frauen gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch zu unterstützen. Seit rund 14 Jahren gibt es den Verein und die Lage hat sich nicht entspannt, im Gegenteil. Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und Gewalt sind auf dem Land ebenso zuhause wie in der Stadt. Auch Mädchen, die zwangsweise verheiratet werden sollten, haben schon Schutz beim Verein gesucht.

 

Dass die Not groß ist, weiß auch Dagmar Brethauer vom Wieslocher Verein „Frauen in Not“. Vor einem halben Jahrzehnt hieß es: Nun geht es los!“ Die Beratungsstelle nahm ihre Arbeit auf. Frauen rund um Wiesloch, Walldorf und Umgebung, die häusliche Gewalt erfahren hatten, durften anrufen und Hilfe suchen. Hilfe zur Selbsthilfe, das war und ist es, was die Gruppe aus rund 20 sozial engagierten Frauen anbieten möchte. Dazu gehört nicht nur Zuhören und Ermutigung, sondern auch die Kontaktaufnahme zu Ämtern und Behörden.

 

Wenn zu Ulrike Riedelberger, der Vorsitzenden des Dekanats Kraichgau der Katholischen Frauengemeinschaft, „Frauen in Not“ kommen, sind es meist finanzielle Probleme, die sie bedrücken. Denn immer löchriger werden die sozialen Netzes. Sie und ihre Mitstreiterinnen verstehen die Unterstützung als eine „Art Nachbarschaftshilfe“, die aus Spenden finanziert wird. Die vielseitige Arbeit der Frauengemeinde wird ergänzt durch die Idee der Kulturmittlerin. In diesem Projekt soll der Austausch zwischen Frauen aus verschiedenen Kulturkreisen „auf gleicher Augenhöhe“ befördert werden. Beide Seiten erfahren durch die Begegnungen eine Bereicherung und die Chance für ein lebendiges Miteinander über die eigenen Kreise hinaus.

 

Dies ist auch bei der Arbeitsgemeinschaft Interkulturelle Frauenbegegnung in Eberbach ein wichtiges Anliegen. Sie wurde bereits vor sieben Jahren im Bewusstsein gegründet, den Migrantinnen aus der Türkei, Polen, von den Philippinen oder sonstwo her, zu zeigen, dass sie in der neuen Heimat willkommen sind. Vor fünf Jahren etwa entstand daraus die Idee des interkulturellen Gartens. „Das ist ein Ort, wo die Seele zuhause ist“, beschreibt Ankica Kucka. Der Garten besteht aus unterschiedlichen Parzellen, die ökologisch bewirtschaftet werden. Zentral sind aber das gegenseitiges Kennenlernen, das gemeinsam Arbeiten, Feiern und natürlich das Fachsimpeln über den grünen Daumen hinweg. Dass dabei auch ganz selbstverständlich die Sprachkenntnisse verbessert werden, wird von den Frauen sehr hoch geschätzt.

 

Immer wieder etwas Neues einfallen lassen, müssen sich die Aktiven der Mädchenprojekte beim Spielmobil Kraichgau, so Gisela Drees aus Meckesheim, die z.B. auch Mädchenkulturtage anbieten. Gerne würden sie übrigens auch ein jungenspezifisches Angebot machen, aber dazu fehlen oft schlicht die Männer, die sich als Erzieher in diesen Bereichen mehr engagieren müssten.


Auch die Zuhörerinnen des Abends sehen darin ein großes Defizit, lässt sich doch an der Situation von Frauen dauerhaft nur etwas verbessern, wenn gesellschaftlich und gerade auch bei Männern ein anderes soziales Verantwortungsgefühl Einzug hält.

Doch vor allem das achtjährige Gymnasium macht es zunehmend kniffliger, dass Mädchen wie Jungen die Angebote annehmen können. „Hinein in die Ganztagesschule“, sieht auch Franziska Brantner als eine mögliche Aufgabe der Kinder- und Jugendarbeit. Denn die Konzepte der Schulen dürften nicht auf ehrenamtliches Engagement bauen, sondern bräuchten gerade die fachliche Kompetenz aus dem sozialpädagogischen Bereich.

 

„Hand in Hand“ heißt eine Initiative des Rhein-Neckar-Kreises und des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden. Das so genannte „Perinatale Präventionsnetzwerk“ soll Familien und Frauen stärken, die während der Schwangerschaft und nach der Geburt des Babys überfordert sind. Wichtig sind dabei natürlich die stationären Plätze in der Klinik, wo Mutter und Kind zusammen aufgenommen werden können, aber auch die ambulanten Gruppen, die Aufmerksamkeit der Hebammen und in den Krankenhäusern sowie das Wissen der Frauen darum, dass es keine Schande ist, mit dem Sprössling erst einmal so seine Schwierigkeiten zu haben. Ergänzt wird das Konzept in Wiesloch durch ein Selbsthilfegruppe von Müttern.

 

Um eine bessere Vernetzung von Frauenaktivitäten vor Ort ist der Sinsheimer Frauentreff bemüht, wie Monika Möhring als letzte Vertreterin der Frauengruppen darstellte.

 

Frauenthemen beackert die Europaabgeordnete Franziska Brantner nicht erst, seit sie im Frauen-Ausschuss in Brüssel sitzt. Auch schon vor ihrer Wahl im vergangenen Juni war sie für die Frauenrechtsorganisation der Vereinten Nationen tätig. Sie warnt davor, sich in Deutschland auf der Insel der Seligen zu wähnen. Beispielsweise werden Frauenhäuser, aber auch Präventionsarbeit  in vielen Ländern deutlich besser finanziell ausgestattet und das Bemühen zeigt auch Erfolg.

Brantner appellierte dafür, bei der Neuverhandlung über den Staatsvertrag der Metropolregion im Herbst auch stärkere Kooperationen im sozialen Bereich zu ermöglichen. Mehr Transparenz forderte die Grünen-Politikerin im Umgang mit den Fördergeldern der EU. Da werde zwar in allen Antragsrichtlinien gefordert, dass auch Frauen betreffende Aspekte berücksichtigt werden, oft stehe das aber nur auf dem Papier. Sie empfahl den Frauen, beim Landkreis nachzufragen, welche Projekte der Arbeitskreis europäischer Sozialfonds bewilligt habe und dann genau hinzuschauen, ob frauen- oder mädchenspezifische Aspekte auch tatsächlich berücksichtigt werden.

 

Mit der Einladung Franziska Brantners an die Frauen zu einem Besuch in ihr Europa-Büro, das sie für die Metropolregion in Ludwigshafen eingerichtet hat, endet ein langer und sehr informativer Abend mit vielen Anregungen, neuen Ideen und dem Wissen um ein Folgetreffen. Auch strukturelle Belange, wie die Einsetzung von Frauenbeauftragten, gilt es zukünftig in den Blick zu nehmen um vielfältiges Frauen-Engagement in der Region zu befördern. Denn eines wurde deutlich: Ideelle und auch finanzielle Unterstützung für Projekte der Mädchen- und Frauenarbeit braucht auch heute noch viel Engagement von Frauen, die sich in Beruf, Politik und Gesellschaft dafür einsetzen.