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  Landesarbeitsgemeinschaft FrauenPolitik

Frauen und Gesundheit

Das Bild, das Gesellschaft und Medizin über den weiblichen Körper und die weibliche Gesundheit über einen langen Zeitraum entwickelt haben, steht im Zusammenhang mit traditionellen Frauenbildern und Rollenzuweisungen und den daraus resultierenden Erwartungen und Konflikten.


Jahrhundertelang galten Frauen als das schwache Geschlecht. Natürliche Körperfunktionen wie Menstruation, Schwangerschaft, Geburt und Wechseljahre wurden als defizitär, mitunter sogar als bedrohlich wahrgenommen und in der Folge mystifiziert, kontrolliert, pathologisiert und medikalisiert.


Tatsächlich erkranken Frauen häufiger als Männer, sie gehen öfter zum Arzt und sie klagen häufiger über Befindlichkeitsstörungen. Zwei Drittel der Beruhigungsmittel, Antidepressiva und Neuroleptika werden Frauen verschrieben.

 

Ein Grund dafür ist, dass Frauen eine andere Sichtweise und ein anderes Empfinden für Gesundheit und Krankheit haben als Männer. Frauen verfügen  auch über eine andere Bereitschaft, auf Signale ihres Körpers zu hören und sie ernst zu nehmen. Dies ist eine Chance für die Gesundheit von Frauen.


Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO ist die beste Voraussetzung um gesund zu bleiben eine Lebenswelt, die gekennzeichnet ist durch Selbstverwirklichung, Partizipation und Verfügung über die eigenen Lebensumstände.


Dazu gehört auch, dass Frauen  - unabhängig von den Interessen der Pharmaindustrie - über die Nebenwirkungen und möglichen Folgen von Hormontherapien und Vorsorgeimpfungen (z.B. gegen Gebärmutterhalskrebs) informiert und aufgeklärt werden. 


Eine unabhängige medizinische Forschungstätigkeit, die die spezifischen Belange von Frauen berücksichtigt ist eine wesentliche Voraussetzung dafür und braucht auch politischen Rückhalt. So hat das internationale Zentrum für Frauengesundheit in Köln (IZFG) ganz klare Forderungen für die strukturelle Verankerung von Frauengesundheit in Politik und Gesellschaft aufgestellt:


Frauengesundheit braucht politischen Rückhalt.

Frauengesundheit braucht gesicherte Partizipation.

Frauengesundheit braucht gesicherte Qualität.

Frauengesundheit braucht Orte und Ressourcen.


Am 6. Juni werden wir uns in einer LAG Sitzung näher mit dem Thema Gesundheit und Frauen befassen. Referentinnen sind die Gesundheitspolitikerin Bärbl Mielich, MdL, und die Mannheimer Radiologin Frau Dr. Heidi Daniel, Programmverantwortliche Ärztin für das Mammographie-Screening in der Region Rhein-Neckar mit den Schwerpunkten: Mammadiagnostik, Nuklearmedizin inkl. Radiosynoviorthese, Computertomographie inkl. Schmerztherapie, Magnetresonanztomographie.


Immer wieder gab es auch Diskussionen darüber, womit die höheren Prämien bei der privaten Krankenversicherung für Frauen gerechtfertigt werden. Seit 13.12.2004 fordert die EU-Richtlinie 2004/113/EG zur Gleichbehandlung von Frauen und Männern in Artikel 5, dass höhere Prämien für Frauen in der privaten Krankenversicherung nur dann zulässig sind, wenn die Versicherer nachweisen können, dass die Frauen tatsächlich höhere Kosten verursachen. Die Kosten für Schwangerschaft und Mutterschaft dürfen dabei nicht mehr zu unterschiedlichen Prämien und Leistungen führen.


Zur Umsetzung dieser Richtlinie in Deutschland hat das BMFSFJ ein Gutachten zur "Differenzierung privater Krankenversicherungstarife nach Geschlecht" beim Zentrum für Sozialpolitik an der Universität Bremen in Auftrag gegeben.


Ergebnis der Berechnungen ist, dass es keine sachliche Begründung gibt, für Frauen (deutlich) höhere Prämien anzusetzen als für Männer, wenn Kosten für Schwangerschaft und Mutterschaft nicht berücksichtigt werden.


Um ungewünschte Selektionseffekte zu vermeiden, wird vorgeschlagen, durch einen Bundeszuschuss oder einen Risikostrukturausgleich die Kosten für Schwangerschaft und Geburt zu finanzieren. Das Gutachten ist hier zum downloaden.


Links:

Bärbl Mielich

Internationales Zentrum für Frauengesundheit

FETZ Frauenberatungs- und Therapiezentrum Stuttgart

Koordinationstelle Frauen und Gesundheit NRW

(aus Kostengründen eingestellt, aber mit nützlichen Links und Hinweisen)



Wer weitere Links hat, die von Nutzen sein könnten: bitte an frauenpolitik@lag.gruene-bw.de mailen.